„Nein“ sagen und sich auch noch gut dabei fühlen!

Eine Klientin ist mit dem Anliegen bei mir, dass sie, wie sie sagt, nicht nein sagen kann.Ich habe „mindestens 7 Bälle in der Luft, kann aber nur maximal 2 bis 3 auffangen, wenn`s gut läuft.“ Sie hat Angst, dass “was in die Hose” geht.
„Und die anderen Bälle?“ frage ich. Sie zuckt mit den Schultern.

„Alles bleibt an mir hängen, im Beruf wird es immer schlimmer und privat sowieso. Für alle muss ich da sein: für meinen Chef und meine Kollegen, genauso für meinen Mann, meine Kinder und meine Mutter – nicht zu vergessen. Ich muss immer schneller, immer mehr im Blick haben und blicke in Wirklichkeit immer weniger durch!“

Meine nächste Frage bricht dann das Eis: „Kann es sein, dass es Ihnen schwer fällt, jemandem eine Bitte abzuschlagen etwas abzulehnen?“
„Ich kann einfach nicht „nein“ sagen!“ sprudelt sie, jetzt voller Emotionen.

„Es fängt an bei Verabredungen, auf die ich eigentlich gar keine Lust habe und hört auf beim Einkaufen, obwohl ich gar kein Geld habe! Von der Arbeit gar nicht zu reden! Kannst Du mal für mich, wollen wir nicht mal wieder…? Ich fühle, ich will nicht, hör mich dann allerdings sagen: Gib schon her, ich mach das! Oder, dass ich meinem Bekannten schon wieder Geld geliehen habe, obwohl ich auf das letzte immer noch warte. Im nach hinein sehe ich alles anders, aber dann ist es zu spät, ich bin einfach zu…“

Nein sagen und sich gut dabei fühlen!

Sie merken, es geht um das Thema „nein sagen“ und abgrenzen.
Nicht „nein Sagen“ können verursacht am Ende nicht nur die größten Zeitfresser im Außen sondern auch einen Großteil unserer mentalen Dünnhäutigkeit, die man so nicht sieht. Es ist immer wieder zu lesen, dass vor allem Frauen sich damit schwer tun, klar und deutlich „nein“ zu sagen. Mädchen lernen früh, dass sie vor allem Anerkennung und Lob erhalten, wenn sie sich um andere kümmern, wenn sie brav sind und möglichst nicht aus der Reihe tanzen. Daher kann Grenzen setzen und „nein“ zu sagen, insbesondere beim weiblichen Geschlecht eine Herausforderung sein.

Warum können wir nicht nein sagen?
Meine persönliche Quintessenz langjähriger Erfahrungen, egal ob in der eigenen beruflichen Praxis, meiner Arbeit als Coach oder im persönlichen Erleben ist folgende:
• Die Angst, abgelehnt und nicht (mehr) gemocht zu werden
Wir wollen geliebt und akzeptiert werden. Wir stimmen zu, wenn wir glauben,
dadurch Zuwendung und Akzeptanz von Mitmenschen zu erhalten und
Ablehnung zu vermeiden. Die eigentlichen Gründe dahinter sind ein geringes
Selbstwertgefühl und wenig Selbstvertrauen.
• Angst, jemanden zu verletzen
Man könnte den anderen mit seinem „nein“ vor den Kopf stoßen und verletzen.
• Angst vor Konsequenzen
Eine Angst, die durchaus berechtigt ist. Nicht jeder reagiert freudig, wenn Sie eine Bitte ablehnen. Es kann nicht nur zu Konflikten kommen sondern z. B. im Berufsleben auch weitreichendere Konsequenzen haben: „Sage ich bei diesem Projekt „nein“, kann es sein, dass ich nicht mehr auf der White-list der potentiellen neuen Führungskräfte stehe.“
• Angst, etwas zu versäumen oder zu verpassen
Die Party, auf die doch alle gehen. Die Fortbildung, zu der einem eigentlich die Kraft fehlt, die jedoch irgendwann relevant werden könnte.
• Angst, egoistisch oder herzlos zu wirken
Nach einem Egoismus-Vorwurf schämen wir uns sehr schnell. Um diese Wirkung wissen auch die, die uns zu etwas bringen wollen, ziemlich gut Bescheid.

Was also tun?
Mein grundsätzlicher Tipp:
Lassen Sie sich nicht überrumpeln!
Nehmen Sie sich Bedenkzeit, bevor Sie eine Entscheidung treffen.

Manche Menschen wissen genau, wie „überrumpeln“ geht. Niemand muss auf der Stelle „ja“ oder „nein“ sagen, auch wenn der andere Druck macht und ungeduldig wird.
„Ich möchte gerne darüber nachdenken, ich melde mich!“
„Ich bin gerade im Gespräch, ich rufe Sie nach dem Mittag zurück“
Manchmal ist eine kleine Notlüge klüger, als vorschnell gehandelt zu haben, um es dann später zu bereuen. Es geht hier nicht darum, zu verhindern, jemandem anderen einen Gefallen zu tun oder zu helfen, sondern es ist einfach wichtig, sich vor dem „ja“ sagen der Konsequenzen bewusst zu werden.

In dieser gewonnenen Zeit könnten Sie sich ein paar Fragen stellen, um herauszufinden, was Sie wirklich wollen:
1. Worum geht es hier eigentlich? Was passiert hier gerade? Was soll ich tun?
2. Wer hat hier das Problem?
3. Will ich das wirklich?
4. Welche Konsequenzen hat meine Antwort für mich?
Sehr häufig erlebe ich, dass alleine die Bitte um Bedenkzeit ausgelöst hat, dass jemand anderes gefunden wurde oder sich das Problem erledigt hat.
Meine Favoriten zum „nein“ Sagen
Auch wenn sie sich ungewöhnlich anhören, probieren Sie es aus. Es funktioniert.

1. Keine Begründung für ein „nein“!
Ich weiß, das ist schwer und ein ungewöhnlicher Rat. Aber es geht. Eine Begründung wird häufig wieder hinterfragt und kann in Rechtfertigungen ausarten.
Beispiel:
„Kannst Du mich heute Abend mitnehmen, ich habe kein Auto dabei?“
„Oh, das tut mir leid, heute geht es nicht!“
„Wieso, was hast Du denn vor?“
„Ich will noch in die Stadt eine Besorgung machen.“
„Geht das nicht auch morgen, es wäre mir wirklich wichtig heute Abend
pünktlich nach Hause zu kommen?“
Jede Begründung führt zu einer neuen Rechtfertigung und schlechten Gefühlen und am Ende hören wir uns sagen: „Na gut, dann steig schon ein!“ und ärgern uns danach…
Stattdessen auf die erste Nachfrage erneut ruhig antworten: „Heute geht es wirklich nicht!“ und zur Not sagt man es auch ein drittes Mal.

2. Belassen Sie das Problem einfach beim Absender!
„Wir würden ja so gerne mit der ganzen Familie kommen, aber leider sind die Hotels so teuer!“
Das ganze noch ein wenig leidend vorgetragen und schon hören wir uns sagen: „Na ja, für ein paar Nächte geht das schon bei uns, wenn wir alle ein wenig zusammenrücken!“
Stattdessen könnten Sie sagen: „Das tut mir wirklich leid für Euch!“ Ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber immer noch besser als sich später tagelang vorzuwerfen: „wie konnte ich nur…“

3. Halten Sie Schweigen aus!
„Was ich Dich noch fragen wollte, kannst Du mir bitte mal Dein Auto leihen, ich bin in einer Stunde wieder da? „Äh, ne Du, das geht nicht…“

Der Fragende schweigt.
In diesem Moment geht uns alles durch den Kopf: „Was der jetzt wohl denkt, Du könntest doch ruhig, der hat dir doch auch neulich geholfen…“ und weil wir das Schweigen nicht aushalten, hören wir uns sagen: „Na ja, eigentlich mache ich das nicht so gern, aber weil Du das bist…“
Halten Sie das Schweigen aus, Sie haben schon geantwortet und sind jetzt nicht am Zug.
Auch hier ist mir klar, das ist nicht so leicht, aber manchmal hilft zählen: eins, zwei, drei…
4. Sagen Sie doch einfach „nein“!
Meine Lieblingsempfehlung. Sagen Sie höflich „nein“, schauen Sie dem anderen dennoch freundlich in die Augen, so signalisieren Sie, dass es keinen Spielraum für Diskussionen gibt. So vermeiden Sie Missverständnisse und Ärger, insbesondere bei Themen, die eine klare Entscheidung brauchen. Häufig kommt unser Gegenüber damit besser klar, als wenn wir tagelang rumeiern.

Im Lebensfreude Kalender Juni 2016 (©PAL Verlagsgesellschaft) steht:
Sage ab und zu „nein“!
Sonst ermutigst du andere, Dich auszunutzen,
Mit einem „nein“ markierst Du für andere eine wichtige Grenze:
Bis hierher und nicht weiter.
Das ist wichtig – für Dein Wohlergehen.
Nein sagen ist ein Selbstschutz, der Dich davor bewahrt, Dich selbst zu verlieren.
Schütz deshalb Deine Interessen, hab den Mut in wichtigen Dingen von dem Wort
„nein“ Gebrauch zu machen, auch auf die Gefahr, Dich unbeliebt zu machen.
Du kannst es eh nicht allen Recht machen.
Stimmt.

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